Neubau katholisches Pfarrzentrum St. Laurentius, Köln
 

LEITIDEE : „offene Kirche - hier ist jeder willkommen“


Städtebau - Erschließung

Eine neue Erschließungsachse für Fußgänger und Sonderfahrzeuge (Ver- und Entsorgung) führt von der Kölner Straße kommend zwischen Kirche und Neubau direkt zur neuen Eingangshalle des Pfarrzentrums – das zentrale Foyer mit Cafe .
Bestandszufahrt und bestehende Bäume im nördlichen Grundstücksbereich bleiben erhalten, notwendige - auch behindertengerechte Parkplätze werden unterhalb der Linden auf dem Lindenplatz angeordnet.

Um das zur Veräußerung stehende Pfarrhaus werden bei den Planungen Grenzabstände von 3 m eingehalten.

Der westliche Umgang um die Kirche wird aufgelöst und in sich abgeschlossene Freiflächen umgewandelt.

Ausdruck einer „offenen“ Kirche ist , dass sie zum Gebet und Besuch „geöffnet“ ist. Der elementare Ansatz des Entwurfes ist die behindertengerechte Öffnung der Kirche an der Ost- und Westseite jeweils unterhalb der Fensterelemente.
Der Neubau mit dem gläsernen Cafe-Foyer und Haupt – Eingangsbereich auf der Achse der neuen Kirchenerschließung reagiert darauf . Die Funktionsbereiche Pfarrbüro und Bibliothek liegen an der Quer-Erschließungsachse , so dass eine Sichtbeziehung besteht (indirekte Zugangskontrolle).

Durch die Öffnung der Kirche kann auch eine geistige Erneuerung innerhalb der Kirche signalisiert werden – die Änderung der Zelebrationsrichtung für eine tätige Teilnahme der Gemeinde an den Gottesdiensten – Circumstantes ist denkbar.


Information - Historie

alle wesentlichen Informationsträger werden als Fassadengestaltungselemente an der Ostfassade des Neubaus „integriert“. (Schaukästen der Kirche und derer Gruppierungen, Informationstafel über die Historie der Kirchengemeinde und St. Laurentius)


Kommunikation – Begegnung

Das Glasfoyer des Neubaus als Haupteingangsbereich mit offenem Cafe wird , auch durch die bewusste Weiterführung des Kirchenvorplatzes – zum zentralen Eingangsbereich und Begegnungspunkt zwischen altem und neuen Kirchenzugang, hier kommt man ins Gespräch. Die Terrasse mit Wasserbecken wird an schönen Tagen eine wirkungsvolle Ergänzung des Foyers darstellen.


Nutrimentum spiritus – geistige Nahrung

Ein großes Glas-Fassadenelement an der Erschließungsachse repräsentiert offen das Angebot der Bibliothek . Eine tiefe Sitzbank vor der Glasfassade lädt zum Lesen und Verweilen ein. Die Bibliothek befindet sich unmittelbar neben dem Pfarrbüro mit einer baulichen Verbindung zur Nutzung von „Synergien“ . Die zentrale Lage der Bibliothek zu dem Foyer ermöglicht die Nutzung des Cafe-Bistro
als erweiterten Leseraum .

Nutzung verschiedener Gruppen

Ein gesonderter Zugang auf der Nordseite des Gebäudekomplexes ermöglicht ungestörte Mehrfachnutzungen innerhalb des Gebäudes . Der Gruppenbereich kann komplett von dem Foyer getrennt werden. Für besondere Aktivitäten mit Übernachtung werden getrennte WC-Anlagen mit Duschen vorgesehen.
Ein großer Lichthof mit zugeordneter Miniküche und Garderobe ermöglicht innere – konzentrierte – meditative – aber auch ungezwungene Gruppenarbeit . Auf der Ostseite wird für jugendliche Besucher im Außenbereich eine besonders gestaltete Freizone geschaffen.
Zwischen den südlichen Rasenflächen des Pfarrzentrums und dem Jugendbereich befindet sich ein befestigter Platz als Endpunkt der Hauptzugangsachse.


Bauweise (konventionelle Bauweise der Hauptkonstruktionen)


Bodenplatte
- Nicht unterkellerter Gebäudekomplex, Stahlbeton-Bodenplatte auf Streifenfundamenten

Wände - Fassaden
- Monolithische Bauweise nach KFW 60 Standard mit heimischen Materialien – Außenmauerwerk d=36,5 cm Klimasteine WLG 010
- Tragende Innenwände und Stützen Sichtbeton
- Nichttragende Innenwände Gipskartonkonstruktionen
- Glasfassaden als Stahl-Glas Pfosten-Riegelfassaden mit Wärmeschutzverglasung k=1,1 W/qmK

Decke – Tragwerke
- Dachtragwerke als Leichtkonstruktion Brettschichtträger BSH
- Trapezblech-Dacheindeckung
- Dampfsperre auf Trapezblecheindeckung
- Wärmedämmung PS, Folieneindichtung - Kies und in Teilbereichen extensive Dachbegrünung

Oberflächen :
- Außenwände mineralisch verputzt, Korn 2 mm – Kratzputzstruktur - Silicatfarbe weiß
- Innenwände mineralisch verputzt, Korn 2 mm – Kratzputzstruktur, Silicatfarbe weiß
- Decken als Abhangdecken Gipskarton mit Schallschutzfunktionen und integrierter Beleuchtung
- Wandoberflächen WC-Anlagen mit Anstrich Silicatfarbe weiß, in Spritzbereichen Grauwacke bunt
- Bodenflächen Foyer , Flure, WC-Anlagen in Grauwacke aus Lindlar, Sortierung bunt
- Bodenflächen Saal , Gruppenräume und sonstige Hauptnutzflächen Eiche Hochkantlamelle geräuchert, Oberfläche geölt und gewachst.

Technik:

Allgemeines:

Das gebäudetechnische Grundkonzept soll die Nachhaltigkeit der Anlagentechnik und des Gebäudes darlegen sowie Techniken zur Einhaltung des Primärenergiebedarfes aufzeigen.

Geothermische Anlage (Heizen / Kühlen)

Zur Abdeckung des Heizwärmebedarfes nach optimierter Bauphysik schlagen wir vor eine geothermische Anlage in Kombination mit Fußbodenheizung einzusetzen. Es wird eine Sole- Wärmepumpe eingesetzt, die über Tiefenbohrung mittels einer Sondenanlage die Erdwärme nutzt. Diese wird im Trennsystem ausgeführt um eine Beeinträchtigung des Grundwassers auszuschließen.
Die Ergiebigkeit der Tiefenbohrung (100m) liegt nach geothermischer Datenkarte bei ca. 100 kWh/(ma). Die Effizienz der Wärmepumpenanlage wird mindestens mit einem cop (capacity over power) von 5 ausgelegt.
Das flexible Konzept der Fußbodenheizung lässt über die geothermische Anlage eine Grundkühlung in den Sommermonaten in allen Räumen zu, hierzu werden keine technischen Zusatzausstattungen erforderlich. Der Einsatz der Tiefenbohrung ist nach Rücksprache mit dem zuständigen Amt möglich.

Photovoltaikanlage (Elektro)

Zur Stromerzeugung ist vorgesehen Photovoltaikmodule großflächig auf dem Flachdach vorzusehen. Durch Einspeisung des erzeugten Stromes in das öffentliche Netz erfolgt eine Rückvergütung durch den Energieversorger. Die Rückvergütung pro KWh ist höher als die gleichzeitigen Entnahmekosten aus dem öffentlichen Netz. Im Bedarfsfall kann auf Einspeisung in das Gebäudestromnetz
umgeschaltet werden. Angenommen wird eine Fläche von ca. 100 m² mit einer Gesamtleistung von ca. 10 KWp. Denkbar ist auch die Vermietung der Gesamtfläche an einen Photovoltaikbetreiber.
Die wesentlichen technischen Anlagenteile werden mit hocheffizienten Motoren und bedarfgerechter Leistungssteuerung ausgestattet.

Zur weiteren Energieeinsparung werden nicht dauerhaft genutzte Räume (WC, Flure, Lager) mit Präsenzmeldern zur Beleuchtungssteuerung ausgestattet.

Über Zentralkontakt kann die Beleuchtung des gesamten Gebäudes abgeschaltet werden.


Regenwassernutzung (Wasser, Sanitär)

Das anfallende Regenwasser wird aufgefangen und in einer Regenwasserzisterne gesammelt. Das aufgefangene Wasser wird zur Bewässerung der Gartenflächen sowie zur Spülung der WC-Anlagen verwendet. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral an den Waschbecken über energiesparende elektronische Durchlauferhitzer. Alle Wasserentnahmestellen werden wassersparend ausgeführt.

Lüftung

Für die innenliegenden Sanitär- und Lagerräume wird eine mindest notwendige Lüftung über Kleinventilator bzw. über natürlich Außenwandanschlüsse gewährleistet.
Die Gruppen-, Cafe- und Pfarrsäle werden aus Kostengründen nur mittels Fenster gelüftet.


Zielsetzung:

Maßgebliches Ziel ist ein schonender Umgang mit den Energieressourcen. Das beschriebene technische Konzept zielt darauf ab den Primärenergiebedarf des Gebäude auf weniger als 60 kWh (m²*a) zu begrenzen sowie den Frischwasserbedarf des Gebäudes zu senken.

Freiraumplanung :

Der Freiraum wird durch die Vielfalt der vegetativen Welt zu einem spirituellen Ort.
Ergänzung des historischen Baumbestandes durch einheimische und exotische Arten die als Linie den Freiraum schwingend rahmen.

Grüner Kirchhof (= Kirche und Pfarrzentrum) – Definition durch eine üppige Rahmenpflanzung
Meditationsgarten Schattengarten an der Westseite der Kirche , Zugang auch direkt über den Kirchenraum
Blumenhof entlang der Laurentiusstraße : Wasseranlagen, extensive üppige Staudenmischungen, Rahmung durch Spalierobst


Der Freiraum wird durch offene Freiflächen zum Begegnungsbereich.
Kirch- und Café Vorplatz aus wassergebundener Decke (Bouleplatz)
Spiel- und Bewegungsbereich am Pfarrsaal
Freiraumzone für Jugendliche an den Gruppenräumen Süd-Ost

Um die hohe Aufenthaltsqualität zu erhalten und zu fördern sollte über eine Schließung des Kirch- und Blumenhofes z.B. von 22.oo – 7.oo Uhr - nachgedacht werden.